Mal eine Sonne
Warum ein gutes, konsistentes Ergebnis nicht von den klügsten Köpfen abhängt, sondern vom Malbuch.
Ein Kind sitzt am Tisch, im späten Vormittagslicht, einen Stift in der Faust. Sag ihm: „Mal eine Sonne.” Es malt einen gelben Kreis, ein paar Strahlen, vielleicht ein Gesicht darin. Bitte es zehnmal um dieselbe Sonne, oder zehn Kinder um eine, und du bekommst zehn verschiedene Bilder. Alle erkennbar Sonnen. Keine so, wie du sie dir vorgestellt hast.
Jetzt leg demselben Kind ein Malbuch hin. Die Umrisse sind schon da, die Strahlen vorgezeichnet. Sag: „Mal sie aus, gelb, mit rotem Rand.” Zehnmal. Jetzt bekommst du zehn Sonnen, wie du sie dir vorgestellt hast, sauber genug, dass man sie nebeneinanderhängen könnte. Das Kind ist nicht über Nacht klüger geworden. Der Unterschied liegt nicht im Kind. Er liegt im Malbuch.
Ich zeichne diese Bilder, nicht wirklich, sinnbildlich schon. In Wirklichkeit zeichne ich keine Malbuchseiten, ich schreibe Anweisungen und Standards in eine Datenbank, neutral genug formuliert, dass jede Aufgabe läuft, egal wer sie startet.
Fünf Dinge, und nur eines ist das Modell
Meine Gruppe besteht aus Sprachmodellen: ChatGPT, Claude. KI, die Forschungsberichte, Vertriebsunterlagen und Analysen schreibt, täglich, in einer Gleichmäßigkeit, die ich von Hand allein nie hielte. Und ein Sprachmodell ist im entscheidenden Punkt wie eines dieser Kinder: fähig, aber unzuverlässig. Frag es zehnmal dasselbe, und du bekommst zehn Varianten, mal brillant, mal daneben.
Das Kind ist die KI. Es malt, es erzeugt den Text.
Das Malbuch ist die Struktur und unser Standard.
Der Stift ist das Werkzeug, mit dem die Aufgabe ausgeführt wird. Braucht die Aufgabe eine neue Fähigkeit (Ablage, Recherche, Versand), braucht es ein weiteres Werkzeug.
Die Anweisung ist der Prompt: Verwende Seite 5 des Malbuchs, den Buntstift, die Farben Gelb und Rot.
Der Lehrer ist das Quality Gate. Aufgabe bestanden oder erneute Durchführung.
Das System, alle fünf Bestandteile, macht die Arbeit skalierbar. Einmal gezeichnet, tausendfach genutzt, unabhängig davon, wer sie startet. Zusammen machen sie aus dem Zufall etwas Genaueres, das wir definiert haben und erwarten: kontrollierten Zufall. Zufall mit Grenzen, innerhalb unserer Strukturen und Standards.
Erstelle dein eigenes Malbuch
Der naheliegende Reflex, um besser zu werden, ist: Nimm ein klügeres Kind.
Ein größeres Modell. Und ja, ein stärkeres Modell hilft, obendrauf, nicht statt.
Gib dasselbe Malbuch und denselben Stift nicht dem Kind, sondern einem hochintelligenten Erwachsenen: Er malt sauberer, schneller, mit ruhigerer Hand. Aber er malt innerhalb derselben Linien, in derselben Farbe. Das Bild wird ordentlicher, nicht anders.
Das deckt sich mit der Forschung: Zerlegt man eine Aufgabe in klare Schritte und gibt eine strukturierte Anweisung, schlägt das ein naives „Mach mal" deutlich
(Khot et al., Decomposed Prompting).
Ein System zu erstellen und verbessern heißt darum fast nie, gib dem Kind einen größeren Kopf, sondern:
Anpassen der Struktur und des Standards
Nutzen neuer Werkzeuge, z.B. von Google Drive, Hubspot, Apollo, Clay
Anpassen der Anweisungen: Anwahl der Standards und Werkzeuge.
Mechanische Kontrolle und Human-in-the-loop zur Abnahme
Das System (eine Notion-Page) wird über eine Anbindung an ein LLM und die Werkzeuge ausgeführt, die Aufgabe auf Knopfdruck bearbeitet.
Ein System, alle Aufgaben, kontrolliert und skalierbar.
Ein System. Alle Aufgaben.
Ich zeichne diese Malbuchseiten für deinen Bereich wie: Recherche, Vertrieb, Content, Rechnungslegung, sodass der Prozess Qualität hat und skaliert: für Gründer und kleine Teams, die wie ein größeres arbeiten wollen.
Das bessere Modell kommt ohnehin, Jahr für Jahr, ganz ohne mein Zutun. Gerade deshalb lohnt die Arbeit nicht am Modell, sondern an dem, was bleibt: Struktur und Standard.
Wenn dich interessiert, wie so eine Seite für dich aussähe, schreib mir. Ich teile auch gern mein eigenes Research-System oder meine Sales Ops.
Ich schreibe über KI, Startups und das, was ich beim Bauen auf beiden Seiten des Tisches lerne. Wenn dir dieser Artikel gefallen hat, abonniere den Newsletter.
Über mich: Ich bin Florian. Ich baue Software- und KI-Unternehmen, aufgewachsen in Sachsen, und kann selten aufhören, bevor ich das Ganze im Bild habe.
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